100 Minuten mit… Mass Effect: Andromeda [singleplayer]

Es ist da! Nach fünf Jahren hat das Entwicklerstudio BioWare endlich den Nachfolger der beliebten Science-Fiction-Trilogie Mass Effect herausgebracht, in der wir als Commander Shepard nicht nur die Erde, sondern gleich die gesamte Milchstraße vor den Reapern retten mussten, einer Rasse intelligenter Maschinen, die sämtliches hochentwickelte Leben in der Galaxie auslöschen wollte.

Mass Effect: Andromeda hat mit diesen Unannehmlichkeiten jedoch relativ wenig am Hut. Die Geschichte der Protagonisten – der Zwillinge Scott und Sara Ryder – beginnt nämlich mit der sogenannten Andromeda Initiative im Jahr 2185, gut ein Jahr bevor die Reaper im dritten Teil von Mass Effect die Erde angreifen. Dann nämlich brechen die Geschwister zusammen mit ihrem Vater und 20.000 anderen Menschen in die Andromeda Galaxie auf, um dort neue Kolonien zu gründen. 2 Millionen Lichtjahre entfernt und 634 Jahre in Kryostase später sind sie an ihrem Bestimmungsort angelangt – aber die Probleme fangen hier erst an.

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Beeindruckend sieht es auf Habitat 7 aus – für eine menschliche Kolonie ist der Planet aber denkbar ungeeignet.

 

Die Story

Gleich nachdem ihr Reiseschiff, die Arche Hyperion, den Planeten Habitat 7 im Heleus Cluster erreicht hat, müssen sie feststellen, dass sich das, was vor 600 Jahren aus der Ferne nach einem überlebensfreundlichen Planeten aussah, in eine menschenfeindliche Todesfalle verwandelt hat.

Nicht nur der Planet und seine Atmosphäre selbst, sondern auch eine den Milchstraßenbewohnern bisher unbekannte Alienrasse, die Kett, machen dem Pathfinder Team, das als Vorhut zuerst aus der Kryostase geweckt wurde, das Leben schwer. Noch dazu beherbergt der Planet eine fremde Alientechnologie, die an der negativen Veränderung von Habitat 7 nicht unschuldig zu sein scheint.

So weit, so katastrophal. Doch natürlich kommt es noch schlimmer.

Die Menschen von der Erde sind nicht die einzigen, die die weite Reise aus der Milchstraße angetreten haben. Der Andromeda Initiative gehören nämlich auch die Turianer, Salarianer und die Asari an, die ebenfalls jeweils eine Arche in die fremde Galaxie entsandt haben. Auf der Raumstation Nexus sollten sie eine erste Anlaufstation vorfinden, von der aus die Bestrebungen der Kolonisten vorangetrieben werden.

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Dunkel, einsam und noch immer eine Baustelle – die Begrüßung auf der Raumstation Nexus fällt anders aus als erhofft.

Als die Arche Hyperion nach ihrem missglückten Trip nach Habitat 7 die Raumstation erreicht, finden sie diese jedoch so gut wie verlassen vor. Die Ressourcen des dort stationierten Teams, das den Aufbau der Nexus leitet, sind so gut wie erschöpft. Von den anderen Archen fehlt jede Spur.

Alle Hoffnung ruht nun auf dem menschlichen Pathfinder. Es gilt einen Planeten zu finden, der lebensfreundliche Bedingungen bietet, damit die Andromeda Initiative nicht vom hoffnungsvollen und ambitionierten Projekt zum Massengrab mutiert. Und die Uhr tickt.


Aller Anfang ist die Charaktererstellung

Soweit die Story, die sich in den ersten ein bis zwei Stunden entfaltet. Bevor man all das erfährt, startet das Spiel aber mit einem ganz anderen, für jedes RPG absolut essentiellen Teil: nämlich dem Menschen, den man im Laufe dieses Abenteuers steuern wird.

Hier gibt es wie bereits im Vorgänger die Möglichkeit, entweder einen Mann oder eine Frau zu spielen. Man sucht sich also entweder Scott oder Sara Ryder aus, um die Reise zu beginnen. Ungeduldige und solche, denen es egal ist, wie ihr Charakter aussieht, können mit dem Default Setting starten, für alle anderen gibt es einen mehr oder weniger umfangreichen Character Designer, in dem man aus einigen vorgefertigten Gesichtern auswählen und diese dann individuell anpassen kann.

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„Meine“ Ryder hört auf den Namen Johanna – das Personalisieren des eigenen Helden geht gewohnt einfach von der Hand; die Möglichkeiten sind nicht ausufernd, aber für jede/n sollte etwas dabei sein.

Mit dem gebotenen Umfang bin ich persönlich zufrieden – klar, mehr geht immer, aber bei zu viel Auswahl verliert man dann doch auch schnell den Überblick. Ein paar Frisuren mehr hätten es vielleicht sein können, dafür kann man bei den Auswahlmöglichkeiten der Haarfarbe nicht meckern (hier ist von blond, braun und schwarz in verschiedenen Nuancen bis zu knalligen Neonfarben alles drin).

Ein wenig schade finde ich, dass man darauf festgelegt ist, einen Menschen zu spielen. Seit Teil 1 der Mass Effect Saga träumen sicherlich nicht wenige davon, sich ihren Traum-Turianer zusammenzubasteln oder als Asari mit Tentakelhaaren die Galaxie unsicher zu machen. Im Prinzip hätte die Grundstory von Mass Effect: Andromeda diesen Schritt ja sogar möglich gemacht. Aber das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau – und betrifft wohl auch nur die Singleplayer-Kampagne, im Multiplayer kann man sich auch mit anderen Rassen austoben.

Nachdem man seinen Scott oder seine Sara modelliert hat, kann man übrigens auch noch den Zwilling anpassen. Denn im Gegensatz zu vorher, wo es entweder einen männlichen oder eine weibliche Shepard gab, existieren hier beide Ryders, wenn man auch – zumindest in den ersten 100 Minuten, die ich gespielt habe – von seinem Zwilling nicht besonders viel sieht oder hört, da er oder sie zu Beginn des Spiels (noch) nicht aus der Kryostase erwacht ist.

Nachdem die Äußerlichkeiten abgehakt sind, geht es an die Fähigkeiten. Man wählt eine Ausbildung, die gewissermaßen die Klasse festlegt. Dabei gibt es sechs verschiedene Auswahlmöglichkeiten: Sicherheitspersonal, Biotiker, Techniker, Anführer, Kämpfer und Agent – je nachdem, ob man sich eher offensiv in das Kampfgetümmel werfen, unterstützend aus dem Hintergrund agieren oder den Gegner aus dem Hinterhalt meucheln möchte.

Wenn man auch diesen Schritt gegangen ist, kann man dem oder der personalisierten Ryder wahlweise noch einen anderen Vornamen geben und dann geht es auch schon los.


Nicht viel Neues, aber gut Bewährtes

Viele Neuerungen habe ich in den ersten 100 Minuten Gameplay nicht entdeckt, was ich ehrlich gesagt gut finde. Ich habe schließlich ein Mass Effect gekauft und damit auch ein Mass Effect erwartet – und bekommen. Das Kampfsystem funktioniert noch so, wie ich es aus Teil 3 in Erinnerung habe (und wie es wohl in den meisten Shootern funktioniert). Es gibt auch keine unerwarteten Tastenbelegungen, die einen in den Wahnsinn treiben könnten; hier gibt es also schon mal nichts zu meckern.

Sehr positiv nehme ich außerdem wahr, dass Ryder im Gegensatz zu Shepard nicht nur über kleine Vorsprünge und Hindernisse kraxeln, sondern nun auch richtig springen kann – und das dank serienmäßig verbautem Jetpack sogar über beträchtliche Weiten und in ungeahnte Höhen. In puncto Leveldesign eröffnet das natürlich völlig neue Möglichkeiten und bringt ein neues Gefühl von Freiheit mit sich. Ryder wirkt in seinen/ihren Bewegungen nicht mehr annähernd so eingeschränkt wie Shepard.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ein interessantes Feature ist auch der Scanner, der per Tastendruck als Holodisplay aufploppt und mit dem man Lebewesen und Gegenstände scannen und so etwas über sie erfahren kann. Allerdings wird sich erst mit dem weiteren Spielverlauf zeigen, ob es ein nettes Gimmick bleibt – oder zu einer nervigen Pflichtveranstaltung wird, bei der man alle drei Meter anhalten und irgendetwas scannen muss, was den Spaß daran recht schnell trüben könnte.

Soweit ich mich erinnere, hat sich der Skilltree nicht großartig verändert. Man findet sich schnell zurecht, alles ist gut sortiert und klar strukturiert. Die Fähigkeiten werden kurz aber präzise beschrieben und wem Worte nicht reichen, der kann sich die entsprechende Fähigkeit in einer kurzen Vorschau im Menü auch direkt noch anschauen.


Mein vorläufiges Fazit

Was kann man nach 100 Minuten Mass Effect: Andromeda nun eigentlich über das Spiel sagen? Nun, zuerst einmal das Wichtigste: Es fühlt sich durch und durch nach Mass Effect an. Von der Story, über den grandiosen Soundtrack bis hin zu den Charakteren merkt man, dass BioWare hier wieder viel Liebe in ein Projekt gesteckt hat.

Die englischen Voice Actor (zur deutschen Synchronisation kann ich nichts sagen, da ich mir diese bei den meisten Spielen gleich schenke) sind spot on und die Dialoge toll geschrieben. Selbst nach so kurzer Zeit, in der sich die Story ja noch gar nicht richtig entfalten konnte, hat mich das Spiel schon am Haken. Die ersten Charaktere und vor allem meine Ryder habe ich nach wenigen Zeilen Dialog bereits ins Herz geschlossen. Genau hierin liegt eine der größten Stärken des Spiels.

Außerdem ist Mass Effect: Andromeda wirklich hübsch anzusehen. Mehr als einmal habe ich mich dabei ertappt, wie ich einfach mal ein paar Minuten Pause vom Spielen gemacht und meine Konzentration vollends auf die Landschaft zum Beispiel von Habitat 7 gelenkt habe. In einem Wort: beeindruckend.

Über kleine Seltsamkeiten in der grafischen Umsetzung (manche Animationen der Charaktere wirken doch manchmal arg künstlich und gar komödiantisch) kann ich dabei locker hinwegsehen.

Als Shooter ist Mass Effect sicherlich solider Durchschnitt.

Das, was wirklich fesselt, sind die Story und die Charaktere. Ich will mich in dieser Welt verlieren können. Ich will mich mit den Charakteren identifizieren, ihre Sorgen und Ängste verstehen, ihre Entscheidungen nachvollziehen, ihre Verbindungen zu anderen Charakteren fühlen können. Bisher stehen alle Zeichen hierfür auf Grün.

Das Rad neu erfinden wird die Story sicherlich nicht. Wohin die Reise geht, das erahnt man zumindest am Anfang schon recht genau. Die Opfer, die die Geschichte gleich zu Beginn fordert, hat man jedenfalls schon auf den ersten Blick ausgemacht. Epische Helden werden nun einmal aus tragischen Umständen geboren.

Was zählt, ist aber nicht unbedingt so sehr das Ende als vielmehr – und das sagt ja schon ein sehr bekanntes Sprichwort – die Reise selbst. Nicht was, sondern wie. Es wird sich zeigen, ob Mass Effect: Andromeda hier den richtigen Weg beschreitet. Zuversichtlich bin ich aber allemal.

 

tl;dr

Mass Effect: Andromeda macht bisher viele Dinge richtig und nur ein paar Kleinigkeiten falsch. Es ist wunderschön anzuschauen und anzuhören, die Charaktere sind glaubhaft und interessant, die Story verspricht BioWare-typisches, episches Drama.
Nach 100 Minuten des Spiels bin ich gehooked und gespannt darauf, welche Abenteuer mich noch erwarten.



2 Kommentare zu „100 Minuten mit… Mass Effect: Andromeda [singleplayer]

Gib deinen ab

  1. Hey DaddelDeern! Ein sehr ausführlicher Beitrag! Ich hab das Spiel noch nicht wirklich gesehen und auch die vorherigen Teile sind so an mir vorbeigegangen. Ich habe nur am Rande ein wenig Kritik über diesen neuen Teil wahrgenommen. Diese bezog sich hauptsächlich auf die Animationen und auf den Charakter-Editor. Ich kann das selbst nicht beurteilen. Der erste Eindruck durch deine Screenshots ist allerdings schon sehr beeindruckend. Hauptsächlich die Landschaft scheint sehr detailliert zu sein. Ich muss sagen, dass mich das Spiel schon ein bisschen reizt ^^ Eben weil es sehr gut aussieht und weil es ziemlich umfangreich erscheint. Mal sehen, ob ich es mir auch irgendwann noch hole 😄

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    1. Danke für deinen Kommentar! 🙂
      Die Kritik an den Animationen und dem Editor kann ich nachvollziehen, aber mir ist dann doch irgendwie wichtiger, was mir das Spiel inhaltlich zu bieten hat. Wenn da natürlich auch Flaute wäre, wäre das Grafische schwerer zu verdauen, aber bisher gefällt mir der Inhalt doch recht gut. 😀

      Ich kann die gesamte Mass Effect Reihe bisher nur empfehlen. 😉 Die ersten drei Teile sind mittlerweile bestimmt auch schon recht erschwinglich geworden. Probiers also ruhig mal aus! 😀

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