Kennt ihr schon…? – Gorillas

Lange bevor sich Spieler Gefechte mit bis an die Zähne bewaffneten wirbellosen Tieren in „Worms“ lieferten (das 1995 erschien) gab es mit Gorillas ein Spiel, in dem sich zwei Affen über der Skyline einer bunten Stadt mit explodierenden Bananen bewerfen. Das ist genauso bescheuert, wie es klingt. Aber auch erstaunlich unterhaltsam.

Als Demo der Programmiersprache QBasic wurde Gorillas (auch bekannt unter seinem Quellcode-Dateinamen GORILLA.BAS) 1991 von der IBM Corporation veröffentlicht.
Ziel des Spiels ist es, seinen Gegner mit einer Banane zu treffen, sodass er sich zusammen mit dieser in einer (grafisch zugegeben eher unspektakulären) Explosion auflöst. Zwei Personen können so in diesem (lokalen, also quasi Couch-Coop) Spiel gegeneinander antreten.

Screenshot 2017-03-22 15.23.00Zu Beginn gibt es natürlich ein paar Formalitäten zu klären:

Nachdem Spieler 1 und Spieler 2 ihren Namen eingetippt haben, kann man festlegen, wie viele Punkte für einen Sieg benötigt werden. Einen Punkt gibt es immer dann, wenn man mit seinem verschmähten Obst den Gegner eliminiert hat.

Dann bestimmt man noch die Gravitation, also die Schwerkraft, die vorherrschen soll. Ja, wenn man will, kann man seine epische Schlacht auch auf dem Mars austragen. Für die Erdbeschleunigung bleibt man bei den gewohnten 9,8 m/s².

Und dann kann’s auch schon losgehen.

Spieler 1 und 2 werfen nun abwechselnd eine Banane, indem sie jeweils zwei Werte vorgeben: den Winkel, in dem das Obst geworfen wird, und die Geschwindigkeit, mit der man es schleudern möchte. Diese tippt man als Zahl einfach ein und schaut dann mal, was dabei passiert. Ja, das ist tatsächlich Mathematik! Beziehungsweise Physik. Wer hier in der Schule aufgepasst hat, ist also klar im Vorteil.

Je nach mathematischem Geschick kann es unter Umständen ein Weilchen dauern, bis man seinen Gegner trifft und möglicherweise hat man bereits alle Hochhäuser zerbombt, ehe einer der Gorillas schließlich in die ewigen Jagdgründe eingeht. In der Regel wartet man jedoch wesentlich länger darauf, dass die Banane überhaupt irgendwo ankommt, denn die rotiert für die hektischen Verhältnisse der heutigen Zeit ziemlich gemächlich über den Bildschirm.

Zu beachten gibt es im Übrigen auch noch Windrichtung und -geschwindigkeit. Diese werden am unteren Bildrand durch einen Pfeil dargestellt, der dementsprechend nach links oder rechts zeigt und länger oder kürzer ausfällt.

Screenshot 2017-03-21 21.16.34

Die Mathe-Zeilen klangen jetzt vielleicht nicht unbedingt nach unbändigem Spielspaß, aber das täuscht! Auch ohne mathematisches Verständnis kommt man ganz gut zurecht und schlussendlich muss man sowieso etwas herumprobieren, sich langsam näher ans Ziel tasten und hoffen, dass man das eher hinbekommt als der Gegenspieler.

Und so sitzt man dann gebannt vor dem Bildschirm, während das krumme gelbe Etwas über selbigen kreucht und sich Millimeter für Millimeter voran tastet. Und immer, wenn man anhand der Flugbahn zu erahnen glaubt, dass man diesmal alles richtig gemacht hat, verfehlt das Geschoss um Haaresbreite den Gegner und frisst stattdessen ein Loch in die zehnte Etage des schicken türkisen Turmes. Man kann bloß hoffen, dass die Angestellten, die dort mühsam ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, schon nach Hause gegangen sind oder aufgrund der King-Kong-Apokalypse evakuiert wurden.

Es war übrigens einer meiner Brüder, der meine Erinnerung an das Spiel auffrischte. Ihn selbst ereilte der Geistesblitz an Gorillas während einer Folge von „The Big Bang Theory“ – nicht, dass es dort erwähnt worden wäre. Es ging wohl schlichtweg um Winkel, X- und Y-Achsen und Raketen. Welche Windungen sein Hirn daraufhin genommen hat, um ein paar Affen auszugraben, die sich mit explosiven Bananen bewerfen – wer weiß.

Ich weiß nur, dass wir uns damals Schlacht um Schlacht über den Dächern der bunten Stadt geliefert haben und definitiv unseren Spaß dabei hatten.

Wer diesen Spaß auch erleben möchte, kann Gorillas auf diversen Seiten kostenlos herunterladen und beispielsweise mithilfe von DOSBox starten. Alternativ gibt es Seiten, die es als Browserspiel anbieten (zum Beispiel „My Abandonware“ hier). Und für die Smartphonenutzer unter euch gibt es das Spiel auch in Googles Play Store und dem iOS App Store, wo es neben der klassischen Eingabemöglichkeit von Winkel und Geschwindigkeit auch eine „moderne“ Variante gibt, bei der ihr durch Wischen über das Display einen Vektorpfeil erzeugt, was das Ganze natürlich etwas bildlicher und vielleicht auch einfacher macht.

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Da man bei der Smartphone-Version übrigens auch gegen den Computer antreten kann, der einen zweiten Mitstreiter überflüssig macht, eignet sie sich hervorragend, um Wartezeiten zu überbrücken – beim Arzt, der Kfz-Zulassungsstelle oder wenn im Zoo mal wieder alle vor dem Gorillagehege hocken und einem die Sicht versperren.

Banane gefällig?

4 Kommentare zu „Kennt ihr schon…? – Gorillas

Gib deinen ab

  1. Gorillas habe ich nur noch dunkel in Erinnerung. Mit drei Sachen bringe ich Gorillas allerdings in Verbindung: Schule, Bananenbombe und – Nibbles! Das zweite QBasic Demo hatte den Vorteil, dass man es allein spielen konnte und machte genauso viel Spaß wie später Snakes.

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    1. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie viel Suchtpotenzial gerade die vermeintlich simpelsten Spiele haben, oder nicht? 🙂
      Meine Erinnerung an das Spiel (oder die Demo) war vermutlich ebenso vage wie deine, bevor mein Bruder meinem Gedächtnis auf die Sprünge half. ^^

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  2. 😄 Diese alten Spiele sind einfach herrlich komisch. Der Stil erinnert mich total an Paint. Es sieht einfach plump aus ^^ Aber tatsächlich erinnert es vom Spielprinzip an Worms. Wobei dieses hier an Komplexität nicht an Worms ran kommt. Aber damals war das alles noch so einfach aufgebaut 😀 Ich hab auf jeden Fall richtig Bock wieder Worms zu zocken. Ist ewig her, dass ich das gespielt hab.

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    1. Danke für deinen Kommentar! 🙂
      Stimmt schon, es reicht bei Weitem nicht an Worms heran – aber es war auch mehr eine Demo als ein richtiges Spiel. Und irgendwie hatte es mich wegen des Nostalgiefaktors. 😀

      Ach, Worms… das sollte ich auch unbedingt mal wieder ausgraben… XD

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